KooperationDenken Foto: Romy Sigl

Kooperation oder Konkurrenz – When the honeymoon is over

Hauptgrund warum Menschen zu COWORKINGSALZBURG kommen ist es, eigene Projekte abzuarbeiten, inspirierende Menschen zu treffen, Ideen zu brainstormen, Feedback einzuholen, und gelegentlich die Vision, gemeinsam die Welt aus den Angeln zu heben. Darum ist das Thema Kooperation von fundamentaler Bedeutung. Lasst uns voller Motivation kooperieren und gemeinsam groß werden – großartig! #ageofcoworking.

Ich gebe zu, jedem Anfang liegt ein Zauber inne, dem vor allem ich als Coworkingspace Gründerin, Hippie*, Macherin und damit oberster Kooperationsverfechterin nur schwer widerstehen kann. So habe ich in den letzten 3 Jahren gemeinsam mit vielen motivierten Menschen einige Ideen in die Tat umsetzen können (COWORKINGSALZBURG, Citylabor Salzburg, designthinking Workshops, Coworking Camp Ägypten, CoDesignShow, DPM degree Show, AustrianStartups Salzburg, Connect Techno_Z, tw. designforum Salzburg…) und noch viel mehr Ideen nicht weiter verfolgt. Warum aus manchen Ideen etwas wird und aus anderen nicht ist ganz einfach – es liegt am MACHEN. „Leider unterschätzen die meisten Menschen die Macht des Machens. Machen reißt andere Leute mit und führt dazu, dass man merkt, ob die bekloppte Idee nun wirklich bekloppt ist oder die gute Idee wirklich gut.“ (Sascha Lobo).

*Menschen mit großem Unabhängigkeitsdrang. Oft anzutreffen in Coworkingspaces, da dies Orte sind an denen sich „Hamsterradaussteiger“ auf Grund von sehr unverbindlichen Mietverhältnissen begegnen. Verbindliche Kooperationen mit Hippimenschen einzugehen ist nur möglich, wenn der Wille für die gemeinsame Sache den Freiheitsdrang übersteigt. D.h. das gemeinsame muss es wert sein die Unabhängigkeit für zumindest eine definierte Zeit einzuschränken.

Was ich beim Machen in den letzten Jahren in gemeinsamen Projekten mit anderen Machern gelernt habe:

1) Der Wert einer Idee liegt in ihrer Umsetzung (Thomas Alva Edison) – das weiß jeder der schon einmal eine Idee zum Markterfolg gebracht hat oder es versucht hat.
Beim Umsetzen tut man sich leichter wenn man nicht alles alleine machen muss – na klar. Sicher?
Aus meiner Erfahrung im Coworkingspace kann eine gute Kooperation vor allem dann zustande kommen:

  • wenn Kooperationspartner durch eine Zusammenarbeit ihre individuellen Ziele oder Vision besser (qualitativer, schneller, schlagkräftiger,…) erreichen können als alleine
  • wenn neben diesen individuellen Zielen ein gemeinsames Ziel definiert werden kann
  • wenn die Kooperationspartner unterschiedliche Kompetenzen abdecken und diese der Kooperation gleichermaßen von Nutzen sind
  • wenn eine klare Vereinbarung zu Leistungen, Rollenverteilung, Verantwortlichkeiten, Kommunikation und Ergebnis definiert werden kann.

Klingt anstrengend ich weiß, viel anstrengender wird es aber wenn man das nicht vorher klärt – glaubt mir.

2) Kooperiere ich als Person oder als Unternehmen/Marke?

Wenn als Person: hat es Auswirkungen auf meine anderen Tätigkeiten? Welchen Hut setze ich mir als Person in welcher Situation auf? Gibt es einen Hut den ich mir lieber aufsetze und ich damit in einen Interessenskonflikt komme vor allem wenn ich die Rolle der Netzwerkerin / Vertriebs einnehme? In einem persönlichen Gespräch kann man meinst nur 1 Idee richtig gut verkaufen. Welche Idee/Projekt hat in welchem Gespräch Vorrang? Geht jemand mit mir eine Kooperation ein um an meine Kontakte zu kommen? Ist das in Ordnung?

Wenn als Marke: welche Auswirkung hat die Kooperation auf meine Marke? Kann es zur Verwechslung kommen z.B. die Kooperationspartner treten als 1 Marke auf? Lehnt sich diese neue Marke an die Marke einer der Kooperationspartner an? Warum? Ist das gewollt weil positiv für die ursprüngliche Marke? Kann dies so weit führen dass der Kooperationspartner in meine ursprüngliche Unternehmung eingreift? Geht jemand mit mir eine Kooperation ein um mein Markenimage zu nutzen? Ist das in Ordnung?

3) Und warum?
In den letzten Monaten befinde ich mich in der Situation, dass ich häufig zu Kooperationen eingeladen werde. Die Qual der Wahl.  Wie damit umgehen? Die Mentalität – „YES ich bin immer und überall dabei“, funktioniert irgendwann nicht mehr. Für die Entscheidung welche Projekte ich angehen und welche nicht, gibt es für mich nach vielen „warum“ Gedanken  2 Kriterien. Mindestens eine der Kriterien muss mit JA erfüllt werden, im Idealfall beide.

  • entweder: maximale GestaltungsFREIHEIT d.h. ich behalte bei einer Kooperation die ich eingehe maximale Gestaltungsfreiheit über alle meine Aktivitäten und Rollen die ich bekleide.
  • oder: maximale GegenLEISTUNG ich gestalte nicht, werde aber für meine Kooperationsleistungen mit guten Gegenleistungen entschädigt.
  • Idealfall: ich werde für Aktivitäten dich ich selbst steuern und gestalten kann gut bezahlt.

Wenn entweder – oder nicht zutrifft ist es für mich, nach vielen Erfahrungen aus Projekten die ich trotzdem gemacht habe, heute recht einfach „NEIN“ zu sagen. Denn: wozu soll ich eine Kooperation eingehen die mich im Tun einschränkt und/oder bei der ich nicht bezahlt werde?

4) Und wenn es nicht klappt?
Einer Kooperation aufzulösen kann schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall zu einer Konkurrenzsituation führen die in der Umwelt Verwirrung auslöst vor allem wenn man mit der Idee am Markt schon präsent geworden ist. Bei fortschreitenden Missverständnissen ist eine Trennung aber unumgänglich und vor allem dann nötig wenn sich Kooperationspartner mehr Ressourcen (Zeit, Geld, Energie,…) wegnehmen als sie sich geben. Darum – besser vorher überlegen was man will, mit wem, warum und wie trennen wir uns wieder?

  • Wer hat Anspruch auf das Ergebnis der gemeinsamen Kooperation im Falle der Trennung?
  • Wie viel ist eine Idee wert die noch keine Gewinne erzielt hat? (Kontakte, Marke, Kommunikation,…)
  • Wie viel ist eine Idee wert die möglicher Weise nie Gewinne erzielen wird? Warum machen wir es dann?
  • Was wenn diese Idee später tatsächlich Profit erwirtschaftet? Wer bekommt wie viel? Wie lange?
  • Was wenn sich die ursprüngliche Idee im Produktentwicklungsprozess stark verändert?
  • Wie kann man investierte Arbeitszeit gegen rechnen?
  • Ist jede Arbeitsstunde gleich viel wert?
  • Was wenn einer der Partner das Interesse an der gemeinsamen Sache verliert und sich nicht mehr einbringt?
  • Was sind die Erfolgsfaktoren für die gemeinsame Arbeit und wer kann diese beisteuern?
  • Was wenn aus der gemeinsamen Idee zu einem späteren Zeitpunkt ein „Erfolg“ wird weil der andere Kooperationspartner die Idee weiter verfolgt hat?
  • Das Küken kann ohne Ei nicht schlüpfen. Hat der ursprüngliche Kooperationspartner Anspruch auf die Lorbeeren?
  • Hätte dieser auch Interesse an einem entstandenen Schaden?

5) Fazit
Der Grund warum ich den Kooperationsgedanken hinterfrage ist dass der anfängliche Zauber in so manchen Projekte schnell verfliegt, es in der Folge zu Meinungsverschiedenheiten, zu Besitzansprüchen, zu Streit und sogar zu Konkurrenzsituationen kommen kann. Das bedeutet maximale Energieverschwendung für alle Beteiligten. Eine gut aufgesetzte Kooperationsvereinbarung bei der oben angeführte Fragen offen vor ab geklärt werden, kann die Grundlage für eine großartige Zusammenarbeit sein – go for it.

Before you cooperate ask yourself – will it help you to do more of what makes you happy?

Autorin:
Romy Sigl – COWORKINGSALZBURG

COWORKINGSALZBURG ist Projektpartner von #CITYLABORSALZBURG

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