foto: bernhard jenny

City Labor Salzburg: Kreativwirtschaftliche Entwicklung goes Bottom Up

Dass dem Standort Salzburg kreativwirtschaftliches Potenzial nachgesagt wird – nicht zuletzt aus der Ferne der Bundesebene des Austria Wirtschaftsservice – scheint nicht verwunderlich. Salzburg ist in besonderer Weise von Kunst, Kultur und Medien geprägt. Aber im Gegensatz zu Wien, Graz oder Linz fand eine aktive breit angelegte Initiative zur Förderung dieses Potenzials zeitgenössischer Kreativität in Salzburg bisher kaum statt. Nach gescheiterten Anläufen hat das Thema aber immerhin seinen Weg in das Zukunftsprogramm der Salzburger Wirtschaftspolitik gefunden – und wird inzwischen als wichtiger Faktor wahrgenommen.

Salzburg „leidet“ unter der starken Marke als Kulturerbe- und Festspielstadt. Dieses dominante Image von „Tradition“ scheint einem kreativen, zukunftsorientierten Image zu widersprechen. Auch wenn es vor Ort viel an zeitgenössischer Kunst und viele Kreative gibt, tun sich diese schwer, gegenüber diesem dominanten Image von Salzburg wahrgenommen zu werden. Nicht zuletzt hat die Salzburger Tourismusmaschine mit einer schwer zu toppenden Nächtigungsbilanz keinen Grund, in dieser Hinsicht innovativ zu sein – es läuft ohnehin bestens und es besteht kein Handlungsbedarf für Neuerungen.

Das bisherige Scheitern von Initiativen zur Förderung der Kreativwirtschaft in Salzburg hat verschiedene Wurzeln wie zum Beispiel politisches Desinteresse und Vereinnahmung oder fehlende ernsthafte Kommunikation mit jenen EPUs und Kleinstunternehmen, die aufgrund ihrer Kleinheit nicht als Zukunftspotenzial erachtet werden. Die Entwicklung der Salzburger Kreativwirtschaft hat somit nicht nur mit den Kreativen zu tun, sondern auch mit entsprechenden Rahmenbedingungen. Der geringschätzige Umgang von hierarchisch orientierten Institutionen mit starkem Kontrollbedürfnis mit den vielen kleinen Kreativen sowie der Wunsch nach allzu rascher und vordergründiger Inszenierung und Vermarktung von etwas, dass es erst zu entwickeln gilt, tun diesem Thema nicht gut.

Aus Sicht der kooperativen Initiative City Labor Salzburg, die sich als Bottom-Up-Initiative braucht es zur Förderung kreativwirtschaftlicher Potenziale vor allem zwei Dinge: Einerseits das Zusammenbringen von Menschen, Unternehmen und Institutionen aus verschiedenen „Welten“ zu gemeinsamen Aufgaben, Themen und Ideen. Andererseits die Unterstützung von jenen (Basis-)Prozessen der kreativen Entwicklung und Umsetzung von Ideen, die – in der Regel – nicht von selber laufen (auch nicht in großen Unternehmen, dafür gibt es dort Innovationsmanagement).

Der Salzburger Kontext dafür heißt: Abgesehen von der „normalen“ Wirtschaft gibt es eine, teils zu wenig wahrgenommene, aber wachsende Szene an Kreativen – KünstlerInnen, Ein-Personen-Unternehmen, Bürogemeinschaften -, die aufgrund ihrer Kleinheit und Neuheit lange unter der wirtschaftspolitischen Wahrnehmungsschwelle agierten. Dazu kommen weitere prägende Merkmale des Raumes Salzburg: eine überdurchschnittlich ausgeprägte Kunst- und Kulturszene sowie eine große Infrastruktur an Bildungs- und Forschungsein-richtungen mit drei Universitäten, einer Fachhochschule, Forschungszentren, Techno-Z, Fachschulen (> Wissensstadt Salzburg).

Die Aufgabenstellungen für eine kooperative Bottom-Up-Initiative wie das City Labor Salzburg lauten:

Welche besonderen Potenziale, Themen, Aufgaben und Ideen gibt es an diesen Schnittstellen aus Kunst, Kultur, Wirtschaft oder dem öffentlichen Sektor? Wie kommen die richtigen Leute zusammen – Menschen mit Anliegen und Ideen, die nur kooperativ und interdisziplinär umgesetzt werden können?
Zum Beispiel: Welchen Nutzen haben Handwerks- und Gewerbebetriebe von Designern, Künstlern und Kommunikationswissenschaftern? Wie können Künstler und Unternehmen partnerschaftlich und für einen vielfältigen und wechselseitigen Nutzen zusammenarbeiten? Wie können Studierende die Möglichkeiten zur Praxiserfahrung in kleinen Betrieben nutzen? Oder: Wie kommen größere Unternehmen mit Innovationsbedarf und junge Kreative mit guten Ideen zusammen?
Wie werden diese Prozesse von der Ideenfindung bis zur Realisierung von innovativen Projekten gestaltet? Nicht wenige junge Kreative (KünstlerInnen, UnternehmerInnen etc.) suchen nach Verbündeten, nach Feedback für ihre Ideen. Andere möchten ihre Kompetenzen anbieten. Nicht wenige suchen eine Möglichkeit, sich in Netzwerke und Kooperationen einzuklinken – zumindest um nicht allein im Wohnzimmer zu arbeiten oder im besten Falle Teil eines erfolgreichen Netzwerks zu werden. Darauf verweist der Erfolg des ersten Jahres des Coworkingspace Salzburg, eines wichtigen Partners des Projekts City Labor Salzburg.

So wie große Unternehmen via Innovationsmanagement Wege der Kreativität, Ideenentwicklung, Abklärung, Verwerfung oder Realisierung von Ideen bewusst organisieren und gestalten, so brauchen auch viele Kleine – Künstler, kreative, Selbständige aus unterschiedlichen Branchen und KMUs – für ihre Ideen eine dementsprechende Unterstützung, um Dinge klar zu machen und auf den Weg zu bringen.

Auffällig in der ersten Aufwärm- und Aufbauphase des City Labor Salzburg: Die Stadt ist voll von Menschen, Initiativgruppen aus verschiedenen Bereichen (Kunst, Kultur, Wissenschaft, Bildung, unternehmen), mit Ideen, mit Fragestellungen und Aufgaben. Aber oft fehlt die Zeit, die Energie, die Ressource oder entscheidende Impuls, um etwas in Gang zu bringen, daran zu arbeiten.

Genau dort setzt das City Labor Salzburg als Bottom Up-Initiative an: am Aufspüren von Themen, Aufgaben und neuen Ideen an den Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Welten, Szenen, Menschen und Unternehmen. Oder an Prozessen des Kennenlernens, Findens, Weiterentwickelns und Umsetzens guter Ideen (für kommerzielle Produkte, Angebote oder für soziale Innovationen).

Zwar findet vieles dynamisch und naturwüchsig statt. Aber viele Dinge brauchen Initiative, Vernetzung und unterstützende Entwicklungs- und Aufbauprozesse – ohne diese gibt es keine Neuerungen.

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Autor: Günther Marchner

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